Pflegemaßnahmen für Barfußpfade
| Allgemeine Zeitung Bad Kreuznach 06. Okt. 2006
Wo man die Hosenbeine hochkrempelt Arthur Kramb hält den Barfußpfad in Schuss/"Begehrtestes Ausflugsziel in der ganzen Region" BAD SOBERNHEIM Menschen aus der Region, die mal mehr, mal weniger im Rampenlicht stehen, stets aber Interessantes zu erzählen haben: Ihnen kommt die AZ in ihrer neuen Portrait-Serie "Ganz Nahe". Zum Auftakt besuchen wir Arthur Kramb auf dem Barfußpfad. von Dagmar Seidel Arthur Kramb ist die gute Seele des Sobernheimer Barfußpfades, auch wenn er das gar nicht gerne hört. Zusammen mit vier weiteren Mitarbeitern des VG-Bauhofes mäht er den Rasen, kümmert sich um Bäume und Büsche, repariert kaputte Geräte und vergisst dabei auch schon mal, auf die Uhr zu gucken. "Die Anlage steht und fällt mit der Pflege", ist seine feste Überzeugung. Im Sommer helfen dem Bauhofchef zusätzlich sechs Ein-Euro-Jobber bei der Pflege. Ganz Nahe Seit Dezember 1992 arbeitet Arthur Kramb auf dem 3,5 Kilometer langen Barfußpfad. "Das schlimmste Jahr war 1993, als im Frühjahr das Hochwasser war", erinnert sich der gebürtige Sobernheimer. "Die komplette Anlage stand fast einen Meter unter Wasser und nahezu alle neu gepflanzten Bäume waren entwurzelt." Vier Wochen habe er damals mit externer Hilfe gebraucht, um das Gelände wieder einigermaßen in Schuss zu bringen. In all den Jahren hat Arthur Kramb auch einige lustige Geschichten erlebt. "Wir hatten mal einen Gast, der sich komplett, mit allen Klamotten, in das Lehmbecken gelegt hat. Bis zum Hals", lacht der 56-Jährige. "Danach hat er seine Kleider wahrscheinlich in der Nahe gewaschen." Er selbst habe übrigens auch schon im Bach gelegen. "Bin ausgerutscht." Am Ufer hätten einige Kinder johlend Applaus geklatscht, erinnert er sich. Kurios sei auch der Besuch einer Hochzeitsgesellschaft gewesen. "Die Braut ist in ihrem Kleid durch den Lehm gestapft und der Bräutigam im schwarzen Anzug", erzählt Kramb. Ob sich das Paar vielleicht in diesem Matsch kennen gelernt hat, könne er aber nicht sagen. Der Lehm wird übrigens jeden zweiten Tag aufgefüllt und stammt aus einer Grube im Freilichtmuseum. Hin und wieder, weiß Kramb, gebe es Beschwerden, weil kleine Steine drin sind, "aber wir können ihn ja nicht sieben". Allerdings werde die braune Brühe in der Hochsaison täglich gesäubert. Er selbst, sagt Kramb, laufe den Barfußpfad mindestens einmal pro Woche. Eines der größten Probleme sei nämlich der Vandalismus. "Es ist mein größter Wunsch, wenn ein Jahr mal nichts kaputt gemacht wird." Neuester Schaden: Ein bisher Unbekannter hat die Vorhängeschlösser durchgeschnitten, die die Seile über die Nahe sichern. "Dafür muss jemand extra einen Bolzenschneider mitbringen!", sagt Kramb kopfschüttelnd. Zum Glück habe man einige Randalierer erwischt. Seit 4. Oktober ist der Barfußpfad nun geschlossen, doch Arthur Kramb und seine Mannen haben noch viel Arbeit vor sich. "Wir bauen alle beweglichen Geräte ab, säubern sie und streichen sie neu." Zusammen mit dem Imbisshäuschen und den Schließfächern wandern sie über Winter in den Bauhof. Der Schaden bei einem erneuten Hochwasser wäre einfach zu groß. Im nächsten Jahr können sich die Gäste dann auf ein neues Sonnensegel vor der Hängebrücke - die in dieser Form ein Unikat in Deutschland ist - freuen, und ein Volleyballfeld ist auch geplant. Für neue Anregungen besucht der gelernte Maler auch schon mal Barfußpfade im Schwarzwald oder Saarland, allerdings: "Wir sind das am besten besuchte Ausflugsziel im Umkreis von 120 Kilometern." Da ist ein Ideenklau nicht nötig.
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